Schullektüren – viel zu langweilig!

Ganz ehrlich – ich habe in meinem Leben noch keine einzige Schullektüre gelesen, die ich wirklich interessant fand. Los ging meine kleine „Karriere“ mit dem Buch „Löcher“ von Louis Sachar. Pubertierende Teenager, die in der prallen Sonne zu Zwangsarbeit verurteilt werden und sich dabei gegenseitig mobben, vollkommen perspektivlos. Vollkommen kann ich mich da nicht mehr erinnern, aber es kann gut sein, dass mein 11-jähriges Ich deswegen den ein oder anderen Albtraum hatte.

„Löcher“ von Louis Sahar – schrecklich

Ich finde, es ist Zeit, sich an dieser Stelle auch mal zu fragen, wer diese ganzen mittelprächtigen Bücher eigentlich aussucht. Jugendliche? Eine ausgewählte Expert*innenkommission? Am Ende die Buchverlage?

Zumindest für Hessen ist die Antwort ziemlich einfach: Im Grunde entscheidet immer die einzelne Lehrkraft, was gelesen wird. Trotzdem gibt es aber Empfehlungen vom Hessischen Kultusministerium. Diese sind aber nicht verbindlich. 1 Es ist also wahr! Wenn ihr wochenlang einen Horror von Seitensammlung mit euch rumgeschleppt habt, dann habt ihr das euren Lehrkräften zu verdanken. Vorgegebene Epochen- oder Themenrichtlinien gibt es übrigens schon. Beispielsweise sollte man in der Mittelstufe auf jeden Fall einen Roman und ein Werk der Lyrik gelesen haben.

In Hessen gibt das Kultusministerium so genannte „Lektüreempfehlungen“. Ausdrücklich ohne Zwang 2

Apropos Lyrik: Genau damit ging es dann bei mir auch weiter, angefangen mit „Kleider machen Leute“, beendet mit „Der Besuch der alten Dame“. Hier hat das Ganze Thema Schullektüre tatsächlich auch seinen Höhepunkt erreicht. Als kleiner Deutsch-Nerd hat es sogar fast Spaß gemacht, die lyrischen Gestaltungsmittel zu analysieren. Ich, der ich noch nicht wusste, dass mich gerade die rhetorischen Mittel mit den nächsten vier Jahren noch eine gefühlte Ewigkeit heimsuchen würden.

Aber natürlich liest man nicht nur im Deutschunterricht Lektüren – auch in Englisch wurden wir bald darauf beglückt. Und zwar mit „Fahrenheit 451“. Eine vollkommene Dystopie, in der Bücher als grundsätzlich böse gelten, Monster, die finstere Gedanken in die arglose Bevölkerungsköpfe streuen. Ich denke, ein gutes Drittel hat das Buch zu Hause wirklich ernsthaft angefasst. Generell muss man sagen, dass es Schule aktuell nicht schafft, die Jugendlichen zum Lesen zu begeistern. Ich finde das manchmal schade, und kann selbst kann nur versuchen, ein paar Vorschläge zu formulieren.

Auch an lyrischen Werken kommt man im Unterricht nicht vorbei!

Aber vielleicht kommen wir ja auch gemeinsam auf Lösungen! Schreibt hierzu hier gerne Kommentare oder schreibt mir auf Instagram gerne eine DM. Die besten Wortmeldungen werden dann hier in genau einer Woche veröffentlicht!

Meiner Meinung nach sollten die Schüler*innen immer selber auswählen können, was sie lesen wollen, zumindest nach einer groben Themen- oder Epochenvorgabe. So besteht auch die Chance, dass manche es aus Interesse lesen. Was es darüber hinaus braucht, ist dann ganz einfach eine coole Einbindung im Unterricht. Fehlerlesen war gestern, interessanter sind Podcasts, Rollenspiele, vielleicht sogar ein Austausch mit der Autorin oder dem Autor. Und zu guter Letzt halte ich es für höchst problematisch, diese Lektüre als Grundlage für Klassenarbeiten zu nehmen. Denn wer sich aus einem 300-seitigen Buch notdürftig seinen Lernstoff zusammen suchen muss, ist schnell überfordert und noch mehr unzufrieden mit dem Werk. Alles in Allem gilt – lesen soll und muss Spaß machen. Dafür braucht es aber eine angenehme Atmosphäre.

Was sagt ihr dazu? Stimmt ihr den Vorschlägen zu? Und was sind eure Erfahrungen mit Schullektüren? Sollten sie am besten ganz abgeschafft werden?

Am Schluss noch das Ende meines kleinen Rants. Das absolute Grauen. „Die Vermessung der Welt“ von Daniel Kehlmann. Ein Roman, der gleichzeitig zwei Biographien in einem sein wollte, mit unzähligen unlogischen Zeitsprüngen, einem absolut unverständlichen Humor, einem bizarren Ende und einer so ausgeprägten Härte, es zu analysieren, dass es meiner Meinung nach für den Deutschunterricht absolut ungeeignet ist. Mein einziger Vorteil: jetzt, in der Oberstufe an einer neuen Schule, muss ich es nicht nochmal lesen. Während sich meine Klasse durchquält, habe ich ein absolutes Novum erlebt. Ich durfte die Lektüre selbst auswählen! Was es jetzt geworden ist? „Corpus Delicti“ von Juli Zeh. Dann spar´ ich mir die Pflichtlektüre in zwei Jahren, wenn es alle lesen 😉.

  1. https://www.deutschlandfunkkultur.de/schule-pflichtllektuere-klassiker-kanon-kritik-100.html#Schullektuere ↩︎
  2. https://kultusministerium.hessen.de/sites/kultusministerium.hessen.de/files/2022-09/lektuereempfehlungen_sekundarstufe_i.pdf ↩︎

*alle Bilder bis auf Fußnote 2 selbst erstellt





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