„Die komplexe Welt verständlich und verdaubar machen“. Ein Skill, den Nicolas Duscha als Journalist ständig braucht und anwendet. Als Leiter der Lernplattform „planet schule“ von SWR und WDR betreut er Projekte zu spannenden Lernvideos, Games und interaktiven Materialien rund ums Thema Schulunterricht. Im Interview erklärt er mir, was „planet schule“ ist und welches Ziel hinter der öffentlich-rechtlichen Nachhilfe steckt.
Dieses Interview ist auch als Video verfügbar. Leider kann ich es allerdings nicht auf meinem Blog hochladen. Schaut es euch also gerne auf meinem neuen YouTube-Kanal an! (Link folgt bald)
Hendrik: Hallo und herzlich willkommen zu diesem Interview mit Nicolas Duscha.
Was „planet schule“ ist und welche Ziele hinter dem Projekt stehen, das werde ich ihn jetzt fragen. Deswegen meine erste Frage: was ist „planet schule“?
Nicolas: Ja danke, dass ich da sein darf! „planet schule“ ist das Lernangebot von SWR und WDR. Wir machen Lernvideos, Games, und vor allen Dingen auch Hintergrundinformationen, didaktische Hinweise und Arbeitsblätter für Lehrkräfte, um mit unseren digitalen Lernmedien in spannenden Bereichen Unterricht machen können.
Hendrik: Das braucht wahrscheinlich viele Ressourcen. Existieren die Lernvideos dafür schon und werden aufbereitet, oder wird alles extra für „planet schule“ produziert?
Nicolas: Sowohl als auch. In Eigenproduktionen machen wir tatsächlich Videos speziell mit Blick auf den Lehrplan, aber es entsteht natürlich in der ganzen ARD und in den verschiedenen Redaktionen spannender Content. Zum Beispiel in der Geschichtsredaktion, die eine große Doku macht, wo wir dann einfach
ein bisschen thematisch zugespitzte Fassungen für die Schule machen. Und dann trotzdem mit der Bildvielfalt, die wir in den ARD Dokus haben. Oder wir arbeiten mit der Wissenschaftsredaktion zusammen, gucken, wo es auf dem Lehrplan passt und machen extra Videos für „planet schule“ für den Schuleinsatz.
Hendrik: Auf welche schulischen Bereiche und Altersklassen konzentriert ihr euch? Und woher holt ihr euch die pädagogische und wissenschaftliche Fachexpertise für die Inhalte?
Nicolas: Wir bedienen tatsächlich die 1.-13. Klasse in allen Fächer, mit jeweils mal mehr, mal weniger Content. Wir selbst haben wie oft im Journalismus meistens einen bestimmten Fachhintergrund – ich habe beispielsweise Mathe studiert, das Team hat aber auch Biolog*innen oder Geisteswissenschaftler*innen. Das zusammen mit dem Journalistischem ist der Weg, um guten und kreativen Content machen können und spannendes bereicherndes Lernen hinbekommen. Zusätzlich haben wir in den Produktionen auch noch Didaktiker*innen mit dabei, die uns gerade in Arbeitsblättern didaktische Hinweise geben und uns beraten.
Hendrik: Wie ist die Idee zu „planet schule“ entstanden?
Nicolas: „planet schule“ heißt es seit mehreren Jahrzehnten. Ursprünglich war es das Schulfernsehen. In den 60er und 70er Jahren gab es den Sputnik-Schock, als die Russen zuerst im All waren. Danach wollte man auch in Deutschland in der Ausbildung etwas tun. Als Reaktion wurden die dritten Programme eingeführt, die man als SWR, WDR kennt. Sie waren ursprünglich als Bildungsprogramme geplant. Mittlerweile haben wir hauptsächlich aus rechtlichen Gründen zwar noch einen Sendeplatz frühmorgens im Fernsehen, es hat sich aber alles weiterentwickelt und wir haben uns als Marke „planet schule“ immer wieder den Nutzungsgewohnheiten angepasst. Früher waren es noch lange Filme für die Schule. Irgendwann ging es dann mehr in den Bereich Gaming, und auch im AR und VR-Bereich sind wir heute unterwegs. Ich sage immer: man muss das noch so schnöde Schulthema zu einem wirklichen Lernerlebnis machen.

Hendrik: Sehr interessant. Ein Projekt mit Innovation, das aber trotzdem im Fernsehen Geschichte hat. Ihr habt bestimmt auch schon gehört, wie intensiv die Plattform genutzt wird. Was sind die Erfahrungen aus den Schulen? Und seit wann gibt es „planet schule“ jetzt schon in der Form?
Nicolas: In der Ursprungsform läuft Schulfernsehen seit 1973, im engen Austausch mit den Kultusministerien von Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Wir sind auch immer in Kontakt mit den Schulen, beispielsweise in Workshops für Lehrkräfte, in denen wir zeigen, wie man unsere Bildungsmaterialien anwenden kann. Oder auch auf der didacta im Austausch mit den Lehrkräften. Das ist für uns ganz wertvoll, weil wir etwas machen wollen, das beim Lernen wirklich hilft. Und wir machen bei den Neuproduktionen seit einigen Jahren die streng nach Nutzerzahlen orientierten Methoden. In dem wir erst einmal nachfrage, was gebraucht wird, tauschen wir uns intensiv mit Schülern aus. Auch Nutzertests im großen Stil sind die Basis dafür, wie wir unsere Inhalte machen. Die Rückmeldung erlaubt uns dann, die Realität in den Klassenraum hereinzubringen. Als journalistisches Medienhaus haben wir einen Skill: die super komplexe Welt verständlich und verdaubar zu machen und durch Geschichten und Visualisierungen so aufzubereiten, dass man es sich einfach besser merken kann.
Hendrik: Würdet ihr euch wünschen, noch bekannter zu werden? Nach meiner Erfahrung ist die Contentplattorm „funk“, die gemeinsam von ARD und ZDF betrieben wird, ja noch ein Stück bekannter als „planet schule“.
Nicolas: Es gibt immer noch Lehrkräfte, die es noch nicht kennen. Da arbeiten wir ganz intensiv dran. Wir machen gerade auf der didacta immer wieder die Erfahrung, dass alle, die uns noch nicht kennen, sagen: „Ach, das ist ja genial, was ihr da macht, vielen Dank, dafür zahle ich gern meinen Rundfunkbeitrag.“ Das hören wir total gerne. „funk“ ist natürlich ganz breit aufgestellt und im Unterhaltungsbereich unterwegs. Wir konzentrieren uns da ganz klar auf den Bereich Schule. Da kennen uns schon ziemlich viele und ganz viele die uns einmal nutzen, gucken sich noch andere Fächer an, auch in der Prüfungsvorbereitung. Aber natürlich wollen wir noch bekannter werden und erreichen, dass uns noch mehr Lehrkräfte kennenlernen.
Hendrik: Wie stellen Sie sich Schule im Jahr 2050 vor?
Nicolas: Lernen mit Spaß. Lernen, das bereichert. Lernen, das wirklich langfristig ist. Eigentlich ist ja das Schöne beim Lernen, dass es so selbstbelohnend ist. Sich neues anzueignen, etwas zu erleben und in ein Thema einzutauchen ist motivierend. Das ist bis man eingeschult wird automatisch so. Wenn man kleine Kinder beobachtet, die etwas Neues entdecken, auch mal scheitern, aber Spaß am Lernen haben ist das sehr schön. Aber irgendwie schaffen wir es leider im Bildungssystem, immer mal wieder den Spaß beim Lernen auszutreiben. Und ich würde mir wünschen, dass sich das ändert und dass Schule stärker auf die einzelnen Bedürfnisse eingeht. Wir müssen den Content sehr viel personalisierter machen. Wir bereiten unsre Games und Videos mittlerweile sehr viel granularer auf, eingehend auf den aktuellen Wissensstand. Ich würde mir wünschen, dass der Spaß beim Lernen zurückkommt und noch viel stärker wird. Und dafür versuchen wir einen Beitrag zu leisten.
Foto: planet schule.de / Südwestdeutscher Rundfunk


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