Bildung für nachhaltige Entwicklung als Schlüssel zur Zukunft

Auf der didacta Bildungsmesse Ende Februar konnte ich einige Menschen mit ganz unterschiedlichen Backgrounds treffen. Alle aber haben sie ein Ziel – sich für „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ einzusetzen.

Slow Food

Am Stand des Bundesumweltministeriums traf ich auf Claudia von „Slow Food“. Der Verein agiert in Deutschland mit insgesamt 80 Ortsgruppen, aber auch weltweit, und setzt sich für sauberes, regionales und fair produziertes Essen ein. Eine der drei Säulen von „Slow Food“ ist neben politischer Arbeit und dem Einsatz für biologische Vielfalt die Bildungsarbeit, was mich natürlich besonders interessiert hat. Und so wurde mir auch gleich das Bildungsprojekt „Green Spoons“ vorgestellt, eine Plattform mit Unterrichtsmaterialien rund um Biodiversität.

Hinter dem zugegebenermaßen etwas lustigen Namen verbirgt sich eine unheimlich interaktive Website, die Schüler*innen ab 12 Jahren sehr viel Wissen über nachhaltige Böden, aber auch über Lebensmittel wie Hülsenfrüchte vermittelt. Die Arbeitsblätter und interaktiven Experimente für Lehrkräfte werden von digitalen Lernwegen wie Videos, Podcasts und auch einem Quiz ergänzt. Das pädagogische Konzept dahinter nennt sich „Blended Learning“ (=integriertes Lernen). Nach dem Motto „Lernen mit allen Sinnen“ soll Green Spoons im Laufe der nächsten Jahre noch weiter ausgebaut werden. Der Zugang für die Lernenden ist viel einfacher als über klassische pädagogische Wege, und durch praxisnahe Vermittlung gelingt ein spielerischer Umgang mit dem so wichtigen Thema Biologische Vielfalt.

Claudia erklärte mir dann noch, dass auf dem didacta-Stand von Slow Food auch Fragen nachgegangen werde wie „Wo kommt mein Essen her?“, und „welche Auswirkungen auf die Natur hat meine Ernährung?“. Auch die bunte Vielfalt der Lebensmittel und Wissen über alte Sorten wollen die beiden vermitteln.

Ein Ausschnitt aus der wirklich interaktiven Website von "Green Spoons
Ein Ausschnitt aus der wirklich interaktiven Website von „Green Spoons“

Ihre abschließenden Worte: „Slow Food ist ein ganz bunter Blumenstrauß und der lässt sich nicht in drei Minuten erklären. Deswegen folgt uns auf Instagram, LinkedIn und abonniert unseren Newsletter. Dort kriegt man einen Eindruck, was wir machen, wo wir aktiv sind und wie vielfältig unsere Arbeit ist.“ Und auch Online-Netzwerke von Jugendlichen, die sich rund um gesunde Ernährung drehen, wurden mir empfohlen. Also, klickt euch gern auf die Website von Slow Food, ihrem Projekt Green Spoons, oder folgt ihnen auf Instagram!

Schutzgemeinschaft Deutscher Wald

Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald setzt sich für das Grün in unserer Gesellschaft ein. So engagiert sie sich für die deutschen Forstgebiete, organisiert Baumpflanzungen und stellt Bildungsmaterial und ums Thema Wald bereit. Gerade darüber sprach ich mit Imke Feist, Projektleiterin in der Bundesgeschäftsstelle des Verbands. Angegliedert an ihn ist beispielsweise auch die Organisation „Deutsche Waldjugend“.

Die SDW entstand 1947, nachdem im Zweiten Weltkrieg immens viel Wald gerodet worden war. Als Reaktion bildeten sich Gruppen, die Bäume da nachpflanzten, wo es nötig war. Mit der Zeit wurde es dem Verband, der als eingetragener Verein agiert, aber auch wichtig, den Menschen etwas über ihren so geliebten Wald zu vermitteln. So wuchs die zweite Schiene des SDW heran – die zahlreichen Bildungsprojekte. Heute werden die Materialien, für Kitas, die Grundschule, aber auch für die weiterführende Schule häufig aus öffentlichen Geldern, also beispielsweise von Bundesministerien gefördert. Das Ziel dahinter: auf niedrigschwellige Weise Schüler*innen in den Wald zu bringen.

Feist: „Der Wald leistet sehr viel für uns. Dort können wir die Natur erleben und einen Bezug zu ihr finden. Neben seiner Funktion als Erholungsraum kann er auch eine Schutzfunktion erfüllen, als Speicher von CO2, auch dank nachhaltiger Forstwirtschaft. Als ich Frau Feist nach ihren Wünschen für ein besseres Schulsystem fragte, kamen gleich viele Vorschläge auf. Ihrer Meinung nach ließen die Lehrpläne zu wenig Zeit für Exkursionen – zum Beispiel in den Wald – und wenig Gestaltungsspielraum der curricularen Vorgaben, obwohl viele Verbände gutes Bildungsmaterial mit fachlicher Expertise anböten. Stattdessen solle mehr auf die individuellen Interessen der Lernenden Rücksicht genommen werden. Zum anderen herrsche eine zu große Konzentrierung auf einzelne Fähigkeitenbereiche.

Im Engagement für Nachhaltigkeit bemerkt Feist, dass die Mehrheit der Klimaaktivist*innen, beispielswese bei Fridays for Future, das Abitur anstreben oder es schon haben. Dieser akademische Hintergrund habe auch Wurzeln in der Familie.

Imke Feist mitten im SDW-Wald der didacta!

Für eine Schule im Jahr 2050 träumt Imke Feist davon, bis zum Abitur nicht nach Schulzweigen, sondern nach Lernbereichen zu trennen. So gingen weniger Leute unter und könnten besser herausfinden, was sie vom Leben wollen und wofür sie sich nach der Schule einsetzen möchten.

Daniel Jüttner, Referent beim Bundesministerium für Umwelt und Naturschutz

Am Stand des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz traf ich Daniel Jüttner. Er ist dort Referent und konnte mir direkte Infos des „Hauses“ mit auf den Weg geben. Auf der didacta stellte das Ministerium eigene Bildungsmaterialien vor, wie „NaKlim“, ein Online-Portal mit über 100 fachlich geprüften Inhalten, oder das Lernmittelprojekt „NaKlim“, das hochaktuell und noch in Arbeit ist, in Zusammenarbeit mit einer Universität entsteht.

Aber auch Förderprojekte wurden vorgestellt, wie das des Verbands NABU, der Senior*innen zu Naturbotschafter*innen macht, damit sie an Kitas gemeinsam Blühwiesen und Biotope anlegen können. Hier werden wichtige Kompetenzen im Bereich der Erwachsenenbildung gelernt.

Da Bildung in Deutschland Ländersache ist, kann das Bundesministerium nur freiwillige Lernangebote für Lehrkräfte machen. Sein Ziel dabei ist, Bildung für nachhaltige Entwicklung zu verbreiten. Daniel Jüttner: (…) Über das Wissen soll man so zu Engagement und zum Handeln kommen, für eine lebenswerte Zukunft. Das Umweltministerium setzt dabei gerade auch auf Befähigung zur Beteiligung junger Menschen.

Disclaimer! Der folgende Abschnitt gibt Daniel Jüttners Meinung als Privatperson wieder, nicht als Mitarbeiter des Bundesumweltministeriums.

Nach den Erläuterungen über sein Ministerium äußerte sich Daniel Jüttner auch nochmal zur Klimapolitik unseres Landes. Es ist erwiesen, dass jeder Euro, der jetzt investiert wird, dem Staat in der Zukunft noch viel teurere Ausgaben spart. Eine Schuldenbremse sei der Klimainvestition und -anpassung dabei alles andere als zuträglich. Die Schule der Zukunft sieht Jüttner als einen Ort an, den auch nach dem Grundschulalter noch möglichst viele Schüler*innen gern besuchen. Damit dies gelingt, brauche es mehr Beteiligungsmöglichkeiten für die Jugendlichen, und ein weniger hierarchisches Schulsystem. Indem die Schüler*innen mehr mitgestalten, entwickeln sie die so nötigen Handlungskompetenzen fürs Leben. Zusätzlich dazu findet Jüttner, dass trotz der Digitalisierung ein soziales Miteinander in der Schule immer wichtig sein wird. Sein Bildungsideal fasst er so zusammen: „Gemeinsame Lernziele mit freierer Gestaltung.“

Brot für die Welt

Neben eigenständigen Vereinen und Verbänden gibt es auch kirchliche Organisation, die sich und ihre Arbeit auf der didacta vorstellen. Eine davon ist „Brot für die Welt“, das kirchliche Hilfswerk der Evangelischen Kirche. Der Name spielt auf ein biblisches Wunder an, in dem Jesus 5000 Menschen speist. Ein Symbol also für Nächstenliebe und Gerechtigkeit, ein Zeichen gegen Armut.

Ich konnte mit Petra sprechen. Sie ist für Brot für die Welt tätig und erklärte mir, dass das Werk global mit spannenden Partnerorganisationen zusammenarbeitet. So fördert es Aktionen für Klima- und soziale Gerechtigkeit sowie gesunde Ernährung. Petras Ziel auf der didacta ist, diese Themen und dazugehörige Angebote sichtbarer zu machen. Gerade im Bildungsbereich will Brot für die Welt die Perspektiven in anderen Erdteilen sichtbarer machen, und Lehrkräfte dazu motivieren, auch Themen wie Nachhaltigkeit, BNE und globales Lernen in ihren Unterricht zu integrieren. Dazu bekommt sie immer wieder positives Feedback: „Viele Leute, die an den Stand kommen, sagen ´das ist toll, das wollen wir einbinden! Es ist cool, auch von anderen Teilen der Welt zu lernen´.“

Wir im globalen Norden, also in Europa und Nordamerika, sind Hauptverursacher und damit verantwortlich für sehr viele Probleme wie Klimawandel oder Ernährungsknappheit. Brot für die Welt, vor 65 Jahren gegründet von den evangelischen Landeskirchen, will dieser Verantwortung gerecht werden. Mitmachen können alle, die sich mit den Werten Nächstenliebe und globalem Gerechtigkeitsempfinden identifizieren, auch eine „Brot für die Welt Jugend“ gibt es. All das finanziert sich aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, durch Kirchensteuern, Kollekten und mittels Spenden.

Petra ist das Lernen mit Herz wichtig, gerade bei Themen wie Zivilgesellschaft, gerechtem Wirtschaften und Globalpolitik, die Brot für die Welt mit interaktiven Bildungsmaterialien abdeckt. Ziel ist es, seine eigenen Handlungsmöglichkeiten mitzubekommen, um sich aktiv für andere einzusetzen.

Ihr Traum von einer idealen Schule im Jahr 2050 ist ein ganz offener Lernraum, in dem alle lernen können, an dem Standpunkt, wo sie gerade sind. Lehrkräte und Schüler*innen lernen gemeinsam voneinander, und gehen mit gegenseitiger Neugierde aufeinander zu. Petra möchte, dass die Welt mehr als globale Gemeinschaft betrachtet wird, in der wir alle Verantwortung tragen, und alle gerne und gut miteinander leben wollen. In der Schule wünscht sie sich Räume, wo man sich ausprobieren kann, um die Freude am Lernen zu spüren.


Bild 1: Hendrik Heim, Bild 2: Slowfood Deutschland e.V., Bild 3: SDW Bundesverband e.V., Titelbild/ Bild 4: Daniel Jüttner





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