Es ist mal wieder Zeit für ein Interview auf diesem Blog. Diesmal mit jemandem, der einen Weitblick hat, was Bildung angeht. Und das ganz ohne Lehrer zu sein. Er betreibt den „bildungsblog.de, war lange im Bereich „Design Thinking“ selbstständig und hat 2014 mit 44 Jahren noch einmal mit einem Studium begonnen. Das alles klingt sehr interessant und ich freue mich dass ich mit ihm, Peter „Peps“ Schmitt habe sprechen können!
Dieser Post ist der erste Teil meines Interviews mit Peps. Sonst wäre es wohl ein wenig lang geworden. Schon ganz bald kommt dann der zweite Teil!
Hendrik: Hallo Peps!
Peps: Hi Hendrik.
Hendrik: Deinen Blog „bildungsblog.de“ gibt es mit Unterbrechungen ja schon seit über 18 Jahren. Das ist eine lange Zeit und da sind auch ganz schön viele Beiträge zusammengekommen, zu unterschiedlichen Themen. Zum kritischen Umgang mit Digitalisierung, zu sogenannten „Educamps“, also Bildungscamps. Du berichtest über dein Leben, dein Studium, du stellst Tools und Bücher vor. Erstmal die Frage: Wie bist du darauf gekommen, gerade einen Blog über Bildung zu machen?
Peps: Erstmal vielleicht noch eine kleine Korrektur: Als ich vor 18 Jahren mit dem Bloggen angefangen habe, war das eher noch ein Tagebuch. Ich war relativ früh beim Internet mit dabei, damals selbstständig, und habe dann auch ziemlich früh damit angefangen, Websites mit Bekannten zusammen zu erstellen. Und klar, da musste man irgendwie alles ausprobieren, was so geht. Nach ein paar Jahren habe ich den Blog dann sozusagen umgewidmet, daraus ist dann der Bildungsblog entstanden. Aber warum ein Blog über Bildung? Ich bin ganz einfach fasziniert von dem Thema. Ich persönlich war kein Leidträger des Bildungssystems – Schule fand ich okay und hat sie mir auch größtenteils Spaß gemacht. Und trotzdem beobachte ich, dass das Bildungssystem, so wie es aktuell ist, aus meiner Sicht völlig überholt ist und änderungsbedürftig ist. Nach meiner Selbstständigkeit bin ich dann zur IHK („Industrie- und Handelskammer“) und war im Bereich der beruflichen Weiterbildung tätig – also auch im Bildungsbereich. Und deswegen dachte ich mir, das wäre vielleicht ein Thema, das nicht nur mich interessiert, sondern vielleicht auch ein paar andere Menschen. Und dass es über das Thema Bildung definitiv noch etwas zu sagen gibt.
Hendrik: Das denke ich auch. Eine Sache ist es, über Themen zu schreiben, die in der Schule sowieso jeder mal mitbekommen hat. Etwas ganz anderes ist es aber, auch über die Themen zu schreiben, die in der Schule nicht so präsent sind. Also gerade „Design Thinking“ oder auch „Sketchnotes“, über die du schreibst. Welchen Reiz macht es für dich aus, anderen Menschen etwas über diese ganz anderen Bildungsthemen zu vermitteln? Was steckt da dahinter?
Peps: Um für mich einen Sinn im Leben zu sehen, finde ich es wichtig, nicht einfach nur zu konsumieren und Sachen hinzunehmen, sondern der Welt auch etwas zurückzugeben. Deswegen unterrichte ich schon seit sehr vielen Jahren, in Workshops, in Seminaren der Volkshochschule, an der Hochschule oder eben in der Selbstständigkeit. Mir ist es wichtig, Wissen weiterzugeben und die Welt damit vielleicht ein Stückchen zu bereichern.
Hendrik: Das ist ein sehr tolles Ziel und eine große Motivation, die damit einhergeht. Wie würdest du denn so deine Zielgruppe beschreiben?
Peps: Gute Frage! Du hast ja vorhin schon gesagt, dass der Bildungsblog auch Unterbrechungen hatte. Von daher glaube ich nicht, dass ich jetzt eine regelmäßige Leserschaft habe, oft sind es die Leute, die einfach im Internet Dinge suchen und dabei zufällig über den Blog stolpern und ein paar interessante Blogbeiträge lesen. Beispielsweise habe ich mal wissenschaftlichen Studien genommen und auf ihre Quintessenz heruntergebrochen. Sozusagen als Service. Von daher denke ich, die Zielgruppe kann man nicht so richtig eingrenzen.
Hendrik: Es ist ja auch wahnsinnig schwer, Leute zu akquirieren, die regelmäßig auf den Blog gucken, wie beispielsweise auf einen YouTube-Kanal. Und auch in die Suchmaschinenoptimierung und die Nennung der richtigen Keywords für wirklich erfolgreiche Blogbeiträge muss man sich
erstmal reinfuchsen. Die harte Welt des Bloggens. Als ich vor ein paar Monaten auf deinen Blog gestolpert bin, habe ich das erste Mal in meinem Leben vom Begriff „Design Thinking“ gehört. Was ist das?

Peps: Ja, das ist irgendwie ein komischer Begriff. Auf der anderen Seite beschreibt es das genau – wie ein Designer zu denken. Sich als jemanden zu sehen, der neue Dinge entwickelt und gestaltet, mit einem gewissen Bewusstsein und mit verschiedenen Methoden. Die Designs sollten sich dabei immer am Benutzer orientieren. Das ist banal – wird oft aber gar nicht berücksichtigt. Und bei Design Thinking ist es eines der Kernelemente,
dass der Benutzer in den in den Fokus gestellt wird, durch Interviews und Tests mit den Benutzern. Ein Problemansatz wird anhand der Benutzer definiert wird. Design Thinking ist also praktisch ein Methodenset, das inzwischen auch im Management angekommen ist und vielfach bei der Neugenerierung von Dienstleistungen und Produkten verwendet wird.
Man kann es als Innovationstool verstehen, um zum Beispiel ein komplett neues Geschäftsmodell zu entwickeln. Diese Art zu arbeiten, die Designer schon immer verwendet haben, kann man dann eben einfach für verschiedenste Dinge verwenden. Das ist das Coole daran.
Hendrik: Auch in Bereichen, die vielleicht nichts mit dem Designen zu tun haben, wo es aber trotzdem Konsument*innen gibt?
Peps: Absolut. Letzte Woche hatte ich gerade wieder Unterricht und da eine Design-Thinking-Übung mit den Studis durchgeführt. Das sogenannte „Wallet Exercise“, also die Geldbeutel-Übung, um mal so ein bisschen in diese Arbeitsweise reinzukommen. Sie sollten dabei den perfekten Geldbeutel entwickeln. Da sind ganz interessante Dinge herausgekommen. Diese Methode kannst du einsetzen, bis hin zu noch nie dagewesenen Geschäftsmodellen.
Hendrik: Dafür muss man sich ja auch in andere Menschen hineinversetzen, aus seiner eigenen Blase herauszukommen und auf neue Ideen kommen. Würdest du sagen, man könnte das auch auf Fächer wie Kunst oder Politik und Wirtschaft in der Schule übertragen?
Peps: Auf jeden Fall. Mir fallen da zwei Dinge ein. Einerseits kann man Design Thinking als Methode verwenden, als Beispiel dafür, neue Unterrichtsformen zu entwickeln. Es geht ja immer darum, ein Ausgangsproblem zu haben und dafür Lösungsansätze zu entwickeln, ohne vorher zu wissen, was dabei herauskommt. Von daher wäre das eine super Methode um sich ein neues Bildungssystem auszudenken. Zum Anderen kann man es auch
als Lerntool verwenden, weil man dabei ein ganz tiefes Verständnis des eigenen Problems entwickelt und möglichst viele der an dem Problem Beteiligten involviert. Das geht für jedes Schulfach. Es ist ein sehr selbstgesteuerter und kommunikativer Prozess, der normalerweise im Team
passiert.
Hendrik: Also noch eine viel intensivere Art für Gruppenarbeiten.
Peps: Genau! Es gibt nicht den Menschen, der Design Thinking entwickelt hat. Es ist eine Entwicklung, die sich in den 80er Jahren ergeben hat und da waren verschiedene Designtheoretiker dran. Dann wurde es immer stärker institutionalisiert, Regeln wurden niedergeschrieben. Heute kannst du dich eben auch zu einem Design Thinking Coach ausbilden lassen und es gibt Menschen, in den USA aber auch in Deutschland, die in dem Bereich prägend sind.
Hendrik: Jetzt kommen wir zu einem anderen Bereich -Sketchnotes. Ich finde, das ist ein sehr witziger Begriff, der beschreibt, sich mithilfe von Grafiken und Zeichnungen Notizen zu machen, und eben nicht nur mit Stichpunkten. Jetzt mal ganz provokant gefragt – würdest du sagen, Sketchnotes lohnen sich, oder sind sie doch zu aufwändig?

Peps: Natürlich glaube ich, dass sich Sketchnotes lohnen. Und eigentlich wurden die auch schon vor Hunderten von Jahren gemacht. Leonardo da Vinci hat in seinen Notizbüchern ganz viel mit Zeichnungen gearbeitet, die er dann beschriftet hat. Irgendwann ist es dann so ein bisschen systematisiert worden und der Begriff Sketchnote kam auf – eine Supermethode. Mittlerweile gibt es wahnsinnig viele Bücher darüber und eine richtige Community. Man hat festgestellt, dass die Verbindung von etwas Visuellem und Text sehr, sehr stark ist, was beispielsweise Erinnerungen angeht. Von daher ist es eine tolle Möglichkeit um sich zum Beispiel bei einem Vortrag Notizen mitzumachen. Die guckt man sich dann doch immer mal wieder an. Ich persönlich versuche oft, ein Thema nur auf einer Doppelseite unterzubringen. Da muss man sich wahnsinnig auf die Kernaussagen reduzieren. Und ja, jedes Sketchnote ist irgendwie einzigartig. Ich habe das auf der Arbeit auch vielfach verwendet bei irgendwelchen größeren Meetings. Da habe ich dann eben in Form von Sketch Notes mitprotokolliert und konnte ziemlich schnell bestimmte Sachen wiederfinden. Von daher bin ich totaler Verfechter davon. Aber ob sich Sketchnotes im Alltag lohnen, kommt oft auch drauf an. Beim Lernen ist es häufig zeitaufwändiger, aber live ist man meist genauso schnell wie einer, der nur mitschreibt, weil man eben auch Sachen weglässt. Manches muss man nicht beschreiben, weil man ein kurzes Bildchen dafür zeichnet, und irgendwie ist man dann auch
gewohnt, das in der vorgegebenen Zeit sozusagen einfach auf Papier zu bringen. Das ist dann nicht immer ein großes Kunstwerk und ist manchmal auch ein bisschen schlampig oder so. Aber bei Vorträgen oder auch im Unterricht oder ist man auf jeden Fall nicht langsamer. Ich habe schon ein paar Workshops zu dem Thema gemacht. Einerseits für Lehrende, mit den Fragen, wie sie die Sketchnotes im Unterricht einsetzen können, um den ihn so besser zu gestalten und die Sachen besser rüberzubringen. Die richtige Power entfaltet es aber eigentlich bei denen, die lernen wollen. Und dabei ist es viel besser, wenn es eigentlich ein ganz normaler Unterricht ist, und man macht eine Sketchnote davon. Und dann gibt es einen Unterschied darin, ob man einfach Grafiken übernimmt oder sich eigene Gedanken machen muss.
Hendrik: Wenn ich mir wirklich schriftliche Notizen mache, kommt mir das, was ich aufschreiben will, einfach in den Kopf. Ist das bei dir mit Sketchnotes auch so, sind Sketchnotes intuitiv?
Peps: Unterschiedlich – es gibt ja auch unterschiedliche Stile und Layouts. Ich arbeite immer gerne so ähnlich wie mit einer Mindmap, also dass ich in die Mitte das zentrale Thema stelle und dann im Urzeigersinn drumherum meine Notizen dazu mache. Es gibt andere, die arbeiten mit Linien oder beispielsweise mit Spalten. Was ich an meiner Art gut finde, ist,
dass du eben den Raum noch nicht genau aufteilen musst, sondern ihn ganz gut füllen kannst.
Das war Teil 1 meines Interviews mit Peps. Im zweiten Teil wird es dann inhaltlicher – es geht um unsere gemeinsamen Konzepte für ein besseres Bildungssystem, fernab vom wirtschaftlichen Denken und starren Lehrmethoden. Seid gespannt 😊
- Bildquelle: picjumbo.com auf Pexels.com ↩︎
- Bildquelle: https://www.onlineprinters.de/magazin/sketchnotes-vorlagen-zum-download/ ↩︎


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