Schule für alle, Sprache für alle!

Hessen hat gewählt! Zwar schon im Oktober vor Kurzem hat sich die Landesregierung formiert, eine Große Koalition. Prominent im Koalitionsvertrag enthalten: ein Genderverbot für Schulen. Warum dies ein vollkommen falsches Signal ist – heute im Sententskalender.

Innerhalb weniger Stunden nach Veröffentlichung des Vorhabens der neuen Landesregierung in Hessen, bestehend aus CDU und SPD, regte sich massiver Widerstand gegen die Idee. Aber nicht nur von Seite der Schüler*innen. Auch Wissenschaftler*innen sammelten innerhalb von Stunden mehrere hundert Unterschriften!1

Sprache kann verbinden. Aber Sprache kann auch ausschließen. Tut sie das aktiv, im Deutschen mit dem generischen Maskulinum, dann schadet das einer Gesellschaft. Tausende Jahre, in denen Frauen stets das den Männern gegenüber schwächere, unterlegene Geschlecht zu sein hatten, wurde diese Ungerechtigkeit in der Sprache nicht beachtet, man hatte schlichtweg anderes zu tun. Doch jetzt, in unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft, in der Meinungsfreiheit gilt, in der wir zwar immer noch Probleme haben, aber eben auch die Möglichkeit zum Dialog – jetzt regen sich stimmen, die immer lauter werden und sich für eine Gleichberechtigung in der Sprache einsetzen.

Man muss es anerkennen; das Gendern ist ein die Bevölkerung bewegendes Thema geworden. Dabei ist es ein Thema von vielen. Natürlich ist es nicht das Wichtigste. Aber es ist etwas, was gerade die Jugend bewegt, wofür sich die anscheinend doch so politikverdrossene Generation einsetzt.

Alles, was sie dabei erreichen will, ist ein Bewusstsein für gendersensible Sprache – keinen Zwang, wie es so oft herausgestellt wird. Ja, wer einen Text mit Gendersprache veröffentlicht, „zwingt“ seine Leser*innenschaft zum Lesen dieser ach so seltsamen Sonderzeichen. Aber das gilt doch wohl für Sämtliches, was in Schriftform veröffentlicht wird und liegt voll und ganz in der Freiheit der Schöpfer*innen.

Ich persönlich bin es leid, ständig Genderdebatten zu führen. Ich habe gemerkt, dass es einfach nicht zielführend ist, wenn Moralargumente gegen scheinbar objektive Sachargumente stoßen, die ja eben dann nicht objektiv sein können, wenn überhaupt nicht der Grund hinter den Beschwerden über genderunsensible Sprache nachvollzogen werden kann.

Was ich, alles was wir, die wir gendern, jetzt wollen, ist die Freiheit, uns innerhalb der deutschen, vollkommen verständlichen Sprache ausdrücken zu können, wie wir es wollen. Weder wollen wir Leute indoktrinieren, noch die Sprache „verhunzen“. Sprache wandelt sich, das hat sie immer getan, gerade die Schriftsprache bleibt nie in einem festen Zustand. Und wenn wir dieses Thema, was ja anscheinend so lästig ist, endlich abhaken wollen, können wir das ganz einfach tun. Indem wir alle mit einbeziehen, dieses Zeichen setzen, und einfach alle Personen, egal wie sie fühlen, akzeptieren und respektieren.

Die CDU, die die Regierung jetzt anführen wird, hat im Wahlkampf immer von Freiheit gesprochen, und davon, die Verbotskultur zu beenden. Unter diesen Umständen finde ich es schlichtweg unlogisch, denen, die es wollen, das Gendern zu verbieten.

Meine Prognose ist: in 50 Jahren wird sich niemand mehr für Geschlechter interessieren, für die verschiedenen Sexualitäten, die Flaggen und die Gendersternchen. Aber nicht, weil man dann immer noch nur in Mann und Frau denkt, die heterosexuelle Beziehungen führen. Sondern weil man einfach alles akzeptiert hat, weil man „Liebe“ als Begriff definiert haben wird, der keine Grenzen kennt. So lange es das noch nicht gibt, braucht es diese Aufzeigen und Deutlichmachen. So lange müssen wir das aushalten, auch und gerade an Schule, in die die Menschen gehen, die auch in 50 Jahren noch leben werden, mit den Überzeugungen und Werten, die sie jetzt ins Leben mitnehmen.

  1. https://www.fr.de/rhein-main/landespolitik/gender-verbot-in-hessen-es-geht-um-machtverhaeltnisse-92693854.html ↩︎




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