Es ist der letzte Mittwoch des Advents, und der Weihnachtsstress neigt sich dem Höhepunkt zu! Deswegen möchte ich diese Gelegenheit nutzen, und heute über ein Thema schreiben, dass vielleicht trivial ist, aber eine extrem entspannende Wirkung hat – Tee in der Adventszeit. Also nutzen wir diesen Tag, machen ihn zum „Wohlfühlmittwoch“ und gönnen uns eine Tasse Tee!
Begeben wir uns nun also auf eine kleine gedankliche Reise, hinein in die Küche, aus der Perspektive von einem, der die wundersame Wirkung des Tees schon ergründet hat. Mehr muss man sich an dieser Stelle gar nicht vorstellen:
Es ist Abend. Draußen ist es schon dunkel, neblig, und anstatt zu schneien hat es den ganzen Nachmittag geregnet. Unser Teeliebhaber jedoch guckt nicht hinaus, er freut sich, drinnen im Warmen zu sein, zieht sich gemütliche Klamotten an, einen Weihnachtspullover und natürlich die Rentierhausschuhe, und stapft in die Küche. Die Klassenarbeit in der Schule heute lief eher nur so mäßig, auch morgen will wieder eine geschrieben werden, und eigentlich hätte der Teeliebhaber auch nach einem prall gefüllten Tag noch unzählige Sachen zu erledigen. Aber er ist weise, er weiß genau, was sein Körper und seine Seele jetzt brauchen, und so schafft er eine Verbindung in der Erfüllung seiner Bedürfnisse, schließt die Schiebetür der Küche und macht die magische Schublade auf. Das besagte Teefach, Ort der unterschiedlichen Geschmacksreisen, Möglichmacher der einen kurzen Pause, die sich unser Teeliebhaber jetzt gönnen will. Und so schweift sein Blick über die verschiedenen Sorten, ohne lange auf einer zu ruhen. Denn der Tee muss gut überlegt sein, um seine Wirkung auch vollumfänglich entfalten zu können. Wird ein ein einfacher grüner Tee? Oder etwas ausgefalleneres, Bratapfel vielleicht? Dem Teeliebhaber fällt die Entscheidung nicht leicht, aber nach kurzem Überlegen greift er zu einer ganz neuen Sorte: Kirsch-Marzipan, die wahre Vollendung des guten Geschmacks, von der Torte übertragen auf den Inhalt der Tasse, die der Teeliebhaber aus dem Schrank holt, groß, rot, angenehm zu halten, und doch ästhetisch. Hier tritt er schon ein – der Entspannungseffekt, die Beruhigung dessen, das man jetzt endlich mal abschalten kann. Auch räumlich, denn die Küche ist der privateste Raum, den der Teeliebhaber besitzt. Gepaart mit der Vorfreude auf das baldige Geschmackserlebnis tritt die Entspannung ein, die Losgelöstheit und das Hinwegsetzen über die vielen Nachrichten, die er schon wieder erhält. Nein, jetzt ist nicht die Zeit, um Hausaufgaben weiterzuschicken oder der nervigen Tante zu schreiben. Jetzt ist Teezeit. Die Zeit, die aber natürlich erst starten kann, wenn das Wasser in der Tasse ist um dann noch, perfekt dosiert, für ein paar Minuten im Wasserkocher zu verschwinden, ehe es genau die Temperatur erreicht hat, um den Färbeprozess einzuleiten. Der Teebeutel unterdessen ist bereit für sein Bad im heißen Nass, er befindet sich nach einem schwunghaften Wurf in die Tasse in derselbigen, und der Teeliebhaber genießt die Routine, mit der er diese schon so oft ausgeführte Handlung nun praktiziert. Niemand sonst ist im Haus. Niemand kann ihm nun diese Atmosphäre nehmen, die sich in der Küche breitmacht, die Atmosphäre, die durch den süßen Kirsch-Marzipan-Duft verstärkt wird, der, ausgehend vom roten Gefäß des Geschehens, nun den Raum erfüllt. Ja, jetzt beginnt sie, die größte Herausforderung, denn nur langsam wird aus dem einfachen Wasser das ersehnte Getränk. An dieser Stelle muss sich auch unser Teeliebhaber zwingen, nicht den alten üblichen Gewohnheitsmustern zu verfallen, eben nicht aufs Handy zu gucken, und geduldig die Zeit verstreichen zu lassen. Diese Herausforderung wird noch einmal verstärkt, da sich der Teeliebhaber an dieser Stelle zwischen dem gemütlichen Lesesessel im Wohnzimmer und dem wohlig-warmen Geruch in der Küche entscheiden muss, dem er schlussendlich dann doch nicht entfliehen kann. Und so schließt er die Augen, atmet beruhigt ein, und noch beruhigter aus, lugt zwischenzeitlich auf den sich badenden Teebeutel, der sein wundersames Inneres frei lässt, das Wasser umspielend, das, vor verschmitztem Scham fast aufgrund der ihm teilgewordenen Bedeutung errötet, erst rosfarben, und dann in einem satten Rot den gewünschten Zustand erreicht. Der Teeliebhaber, sein Gaumen feuchtet sich schon leicht an, nimmt nun die Tasse entgegen, mittlerweile ohne den Teebeutel, der seine Lebensaufgabe nun erfüllt hat. Ganz vorsichtig, mit Bedacht, nähern sich seine Lippen dem Gefäß. Sie hauchen die Flüssigkeit an, die, noch ganz heiß, sich ganz langsam erst auf diese Berührung einzulassen vermag. Er ermutigt den Tee, pustet ihn an, und verbindet so die Kühle seines Atems mit der baldigen wohligen Wärme in seinem Körper, die, nach wenigen Minuten, dann im ersten richtigen Schluck sofort einzutreten beginnt. Die vollste und reinste Ekstase erfasst den Teeliebhaber, er ist glücklich, fast vollkommen im Paradies angelangt, er hat nun vergessen, welche Plagen ihm die letzten Schultage dieses Dezembers noch antun wollten. Er widersteht dem Drang, den Tee in sich hineinzuschütten, wissend, das auch hier wieder seine geduldsamen Eigenschaften vonnöten sind, die er als Teeliebhaber zweifelsohne hat, und die diesen Marzpianmoment, dieses Kirschvergnügen noch länger währen lassen. Und dann? Dann ist es erreicht, der Tassenboden, der sich nun wieder freigibt, die Leere, die sich in der Tasse breit macht. Und doch ist in Körper und Seele des Teeliebhabers eine Fülle entstanden, eine Kraft wurde freigesetzt, die ihn auch die letzten Hürden dieses vernebelten Tages in gleißendem Licht meistern lässt.


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