Mensa? Das geht besser!

Fast an jeder weiterführenden Schule gibt es Mensen, die auch bei längeren Schultagen dafür sorgen, dass man mit etwas Warmen im Bauch in Nachmittagsunterricht oder AG starten kann. Eine gelungene Idee – trotzdem wird die Schulmensa immer unbeliebter. Was das für die Gesundheit der Jugendlichen bedeutet und wie man die Situation besser machen kann, heute im Sententskalender!

Meine Mensageschichte

Bevor wir inhaltlich werden, vielleicht mal meine ganz persönliche Mensageschichte: Schon in der – neu gebauten – Grundschule gab es solch eine Einrichtung, und da ich mehrmals in der Woche in die Schulbetreuung ging, kam ich schon damals in den „Genuss“ des Schulessens. Nur muss man diesen Begriff leider ironisch verstehen, das Meiste war nämlich aufgewärmt, die Kartoffeln sahen alle gleich aus und das Repertoire an Gerichten belief sich vielleicht auf 15. Ich muss gestehen, damals schon etwas verwöhnt gewesen zu sein, was das Essen angeht. Und trotzdem ging ich nie begeistert in den Mensasaal und hoffe stets, dass es annehmbar war.

Tja, und dann ging die Geschichte weiter, in Klasse 5 dann in einer neuen Schule, nur leider mit dem selben Mensabetrieb. Somit hatte ich noch drei weitere Jahre Spaß, ehe ich endlich von der Nachmittagsbetreuung abgemeldet werden musste und das Kapitel „Schule am Nachmittag“ für ein paar Jahre erledigt war.

Erst in Klasse 9, dann mit dem ersten richtigen Nachmittagsunterricht, aß ich wieder an der Schule. Dann aber, wie eigentlich alle in meinem Jahrgang, meistens gelieferte Pizza, gelegentlich auch mal Döner. Ich war dem Fast Food verfallen. Nicht, weil ich stets so viel Bock auf Pizza hatte. Sondern weil einfach die Essensqualität in der Mensa miserabel war, was eigentlich alle so sahen.

Heute – an einem Internat – hat die Mensa eine sehr viel bessere Auswahl und Qualität. Das Essen dort ist wirklich lecker. Für mich persönlich hat das Thema „Schulessen“ also ein gutes Ende gefunden.

Eines von vielen Qualitätssiegel für Schulmensen von der Gesellschaft für Ernährung e.V.

Die zwei Faktoren

Ich denke, so wie mir und meiner Schule geht es vielen in Hessen. Und ich glaube, dass das im Wesentlichen an zwei Faktoren liegt, die sich in einem Teufelskreis gegenseitig befeuern:

Zum Einen liegt es an daran, dass die Qualität an Schulmensen allgemein oft nicht gut ist. Zwar gibt es Qualitätssiegel – in Deutschland beispielsweise “ Schule + Essen = Note 1″ der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V., die darauf achtet, dass Schulessen ausgewogen und nachhaltig ist. Dies ist sehr wichtig, aber solche Siegel sind weder in irgendeiner Form verpflichtend, noch gibt es dadurch einen nennenswerten wirtschaftlichen Nutzen für die Mensabetriebe, die das Siegel anstreben, das natürlich an Hürden und Bürokratie gekoppelt ist.

Der zweite Faktor ist, dass Jugendliche immer wählerischer in ihrem Essverhalten geben. Auch abseits der Welt von Gluten und Lactose sind manche Gerichte schlicht und ergreifend einfach nicht mehr beliebt. Gesundes und ansprechendes Essen schließt sich gegenseitig aber keinesfalls aus! Ich erlebe das an meiner jetzigen Schule, die auch Teil des eben genannten Zertifikats ist: neben Salatbar und Gemüseeintopf stehen sehr oft auch vegetarische Burger, Spinatlasagne oder auch internationale Küche wie African Stew oder Curry. Durch diese Abwechslung geht eigentlich bei uns jeder gern in die Mensa. Ein hohes Privileg, das mit viel Geld verbunden ist – aber eben auch für eine ausgewogene Ernährung sorgt.

Schmeckt das Essen nicht, gehen natürlich weniger Menschen in die Mensa. Dadurch generiert dieser ohnehin schon massiv subventionierter Betrieb weniger Geld – und hat dadurch logischerweise weniger Möglichkeiten, Geld für gesundes, ansprechendes und ergo teureres Essen auszugeben.

Es ist und bleibt günstiger!

Wenn wir beim Thema Geld bleiben, müssen wir natürlich auch in den Blick nehmen, dass Mensaessen reichhaltiger ist, also länger satt macht, für einen umgerechnet viel günstigeren Preis. So kostet an der ehemaligen Schule von einem Freund von mir das Mensaessen 4,50€, also Hauptgang, Nachtisch, eine Salat- und Nudelbar und die Möglichkeit sich so oft nachzunehmen, bis man satt ist. Zum Bäcker zu gehen ist nicht nur ein Zeitverlust, sondern auch teurer, wenn man bedenkt, dass ein belegtes Brötchen schon über 2€ kostet und nicht annähernd satt macht. Auch die Pizza wird immer teurer, und kostet mittlerweile in jede, Fall über 6€.

Auch hier merkt man die schlagenden Vorteile von Mensaessen, gerade, wenn man auf die soziale Gerechtigkeit guckt und auf den Fakt, dass sich viele einfach kein teures Mittagessen leisten können. In einem Alltag, in dem es „uncool“ ist zur Mensa zu gehen, setzt das gerade diejenigen unter Druck, deren Eltern kleinere Geldbeutel haben.

Das Verständnis für gesunde Ernährung

Am Ende möchte ich noch eine Lösung mit auf den Weg bringen, die vielleicht erstmal etwas skurril erscheinen mag: Kochunterricht. Wer selber in der Schule gemeinsam mit anderen lernt, was gesunde Ernährung ausmacht, und erfahren hat, dass auch diese lecker sein kann, bekommt ein Bewusstsein dafür, wie wichtig die eigene Schulmensa ist. Und setzt sich im besten Fall auch für besseres Essen ein. An meiner alten Schule hat diese Verbindung Wunder bewirkt: mittlerweile haben wir einen eigenen Schulkoch, der viele Projekte mit Schüler*innen im Unterricht und danach umsetzt. Und Gespräche mit dem Mensabetrieb konnten auch Einiges bewirken – aus Aufgewärmten wurde inzwischen Selbstgekochtes.

Natürlich wird aktuell immer noch Pizza bestellt. Das wird sich voraussichtlich und ohne restriktive und skurrile Verbote auch nicht ändern. Doch einen Spagat zu finden zwischen der Entscheidungsfreiheit der Jugendlichen und ihrer Stärkung durch gesunde Ernährung und ein Bewusstsein dafür – das kann und muss auch die Aufgabe der Schule sein.

Gerade in Zeiten, in denen immer mehr auf Ganztag gesetzt wird, wovon Mittagessen ganz klarer Bestandteil ist!





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