Interview mit dem Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, Florian Fabricius TEIL 1

Auch diesen Sonntag gibt es wieder ein Interview. Und ich fühle mich erneut sehr geehrt, wer sich alles von mir ausfragen lässt 😊. Heute darf ich mit dem Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, Florian Fabricius, über seine Ziele und Visionen in diesem Amt sprechen.

Auch dieses Interview ist wieder relativ lange geworden. Deswegen wird es heute erstmal generell darum gehen, was die Bundesschülerkonferenz eigentlich generell ist. Im Teil 2 reden wir dann über Schule in 2050 und auch darüber, wie viel Einfluss Flo eigentlich auf die Tagespolitik hat.

Hendrik: Herzlich willkommen zu diesem Interview – heute besonders spannend! Hallo Flo, freut mich sehr!

Flo: Hallo Hendrik freut mich jedenfalls.

Hendrik: Bundesschülerkonferenz. Wenn man zum ersten Mal von dieser Institution hört, kann man sich darunter ja erstmal sehr viel vorstellen. Würdest du uns vielleicht mal verraten, was es damit auf sich hat?

Flo: Ja, sehr gerne. Der offizielle Titel der Bundesschülerkonferenz ist „Die ständige Konferenz der Landesschülervertretung in der Bundesrepublik Deutschland“. Hinter diesem kryptischen Namen verbirgt sich eben die Bundesschülerkonferenz, die BSK, die vor allem aus zwei Organen besteht. Einmal aus dem Plenum und einmal aus dem Bundessekretariat. Das Plenum ist der „Maschinenraum“ der Bundesschülerkonferenz. Dort kommen Delegierte aus allen Landesschülervertretungen in Deutschland zusammen. Sie machen dort inhaltliche Arbeit. Man kann sich das so ein bisschen wie den Bundestag vorstellen. Wir beraten dort Anträge, dort werden Positionen und Beschlüsse gefasst. Und das ist so das Herzstück der BSK, wo die inhaltliche Fahrtrichtung, die wir als BSK einschlagen, festgelegt wird und wo auch Austausch stattfindet, wo die Bundesdelegierten der Landes Schülervertretungen miteinander in Kontakt kommen, sich vernetzen und zusammen auch Möglichkeiten für Kooperationen entwickeln. Das zweite Organ ist dann das Bundessekretariat. Die Aufgabe des Bundessekretariates ist es, diese im Plenum gefassten Beschlüsse umzusetzen, damit in die Öffentlichkeit zu gehen, sie zu verarbeiten und in wirkliche handfesten politische Entscheidungen umzumünzen. Ein konkretes Beispiel: Das Plenum hat jetzt vor einigen Wochen entschieden, dass wir uns dafür einsetzen sollen, dass es Wasserspender in allen Schulen gibt. Und unsere Aufgabe als Bundessekretariat ist es jetzt, dafür zu sorgen, dass das auch in die Öffentlichkeit kommt, es den Politiker*innen zu vermitteln und quasi nach außen zu tragen. Das ist wie wir versuchen, diese Beschlüsse umzusetzen. Gleichzeitig koordinieren wir aber auch die internen Abläufe, organisieren Tagungen, sorgen dafür, dass im „Machinenraum der BSK“ quasi alles glatt läuft.
Am Ende des Tages kann man sagen, es sind zwei Aufgaben. Einmal das Vertreten von Schülerinteressen nach außen auf Bundesebene und zweitens die Vernetzung der verschiedenen Landesschülervertretungen intern, damit diese besser zusammenarbeiten können.

Hendrik: Wahnsinn! Dir als Generalsekretär kommt dabei ja als Vorsitzender der Bundesschülerkonferenz eine besondere Rolle zu. Die ist dann aber schon mehr als ein einfaches Hobby, oder? Siehst du dich denn selber dann als Politiker oder siehst du dich eher als Lobbyist?

Flo: Lobbyist trifft es vielleicht ganz gut. Ich bin natürlich nicht dazu in der Lage, eigene Politik zu machen. Davon bin ich auch weit entfernt. Vielmehr bin ich und sind wir ein Sprachrohr – wir sorgen dafür, dass die Interessen der elf Millionen Schüler*innen in Deutschland gehört werden. Wir trommeln dafür, dass sie berücksichtigt werden. Und der wesentliche Unterschied zu dem, was man vielleicht unter Lobbyist versteht – das Wort ist ja auch ein bisschen negativ konnotiert – ist, dass wir nicht einzelne Verbände oder Unternehmen oder Lobbyverbände vertreten, sondern eben 11 Millionen Schüler*innen. Das ist natürlich eine besondere Verantwortung, weil diese 11 Millionen nicht nur eine sehr große Gruppe sind, sondern auch die Gruppe, die in 20 Jahren unsere Gesellschaft mitgestalten wird. Insofern sind wir besondere „Lobbyist*innen“, weil wir einmal eine sehr große Gruppe vertreten, aber eben auch eine Gruppe, die erstens oft gar nicht gehört wird und zweitens aber auch unfassbar wichtig ist für die Zukunft unseres Landes, uns als Gesellschaft und uns als Demokratie.

Hendrik: Das stimmt. Wenn wir jetzt mal auf dich persönlich blicken: Welche Ziele und Ausblicke nimmst du mit in deine Arbeit nach Berlin? Was treibt dich an, diese Arbeit zu machen? Und was willst du konkret erreichen während deiner Amtszeit?

Flo: Das sind zwei Dinge konkret. Erstens müssen, auch wenn wir die Bundesschülerkonferenz sind, uns immer wieder vor Augen führen, dass Bildungspolitik im Wesentlichen in den Ländern gemacht wird. Wir leben immer noch in einem föderalistischen Bildungssystem. Insofern – zu sagen, dass wir jetzt in Berlin hier die deutsche Bildungspolitik reformieren werden, ist zu weit gegriffen und auch utopisch. Deshalb muss unsere Hauptaufgabe als Schülerkonferenz und meine Hauptaufgabe als Generalsekretär weiter sein, den Austausch versuchen zu stärken zwischen den Landesschülervertretungen. Das sind am Ende die großen Player in der Bildungspolitik, die Landesschülervertretungen, das sind diejenigen, die wirklich den Unterschied machen. Insofern ich bin der Überzeugung, dass die LSVen unfassbar davon profitieren könnten, wenn es eben diesen fruchtbaren Austausch gibt, wenn es dazu zu Kooperationen kommt, zu gegenseitigen Teilen von Interessen. Das ist unsere Hauptaufgabe, da eben diesen Rahmen zu bieten, in dem dieser Austausch stattfinden kann. Das zweite ist natürlich – das gehört auch dazu – als Interessensvertretung in Berlin dafür zu sorgen, dass in Berlin auch aufgrund dessen eben Schülerinteressen gehört werden. Schülerinteressen werden oft übergangen. Wir sind oft eine Gruppe, die vernachlässigt wird. Lehrer werden viel gehört, Eltern werden viel gehört. Aber Schüler fallen oft ein bisschen hinten runter. Insofern, das ist meine zweite Aufgabe, die ich sehe, wirklich laut dafür zu kämpfen, dass wir in Berlin Gehör finden und dass wir auch berücksichtigt werden.

Hendrik: Du hast es schon ein wenig angedeutet, ich frage trotzdem noch mal: wie legitimiert die BSK eigentlich ihre Position? Macht sie das auch durch Umfragen oder vertraut sie dann auf die Aussagen der Delegierten?

Flo: Naja, also bundesweite Umfragen einfach mal so zu machen ist leider in dem Rahmen nicht möglich (lacht). Wir vertrauen im Wesentlich auf unsere Delegierten, weil dies das ganze System demokratisch legitimiert, auch wenn es eine lange demokratische Legitimationskette ist. Das fängt ja an mit den Klassensprecher*innen, die wählen dann Delegierte für Kreisschülervertretungen, die wählen Delegierte für Landesschülervertretungen, die wiederum wählen Delegierte für uns, für die Schülerkonferenz. Insofern, das ist alles von ganz unten demokratisch legitimiert und auf diese Position, auf diese Legitimationskette, setzen wir auch und darauf vertrauen wir. Was wir aber auch tun: darüber hinaus zu verstehen, was die Interessen der Schüler*innen sind. Da kann ich ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern. Wir planen zum Beispiel gerade jetzt eine Bundesschülerbefragung, also eine bundesweite Befragung aller Schüler*innen, um auch da noch mal Einblicke zu bekommen. Aber das ist dann mehr „add on“ als wirklich wesentlich. Das Wesentliche ist dann doch, dass wir auf die Delegierten hören.







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