Vor genau einer Woche habe ich euch nach euren Erlebnissen mit Schullektüren gefragt. Ich wollte wissen, wie ihr dazu steht, und ob es vielleicht sogar gute Erfahrungen mit ihnen gab. Was dabei herausgekommen ist, lest ihr jetzt!
Tatsächlich tummelten sich unter meinem Insta-Post zum Artikel gleich zwei Kommentare, auf die ich jetzt sehr gerne eingehen möchte. Der erste ist ein wenig kürzer:
„Die Vermessung der Welt hat mein Leben verändert.“
Dieser Kommentar kommt von einem meiner besten Freunde. Gemeinsam in einer Klasse haben wir damals „Die Vermessung der Welt“ von Daniel Kehlmann gelesen. Nun ja – begeistert waren wir alle nicht vom Roman, aber wir konnten uns zumindest als Freundesgruppe zusammenraufen und uns über die Schreibart vielleicht sogar ein wenig lustig machen.
Ich finde, Schullektüren sind dann besonders gut, wenn sie einen zum Nachdenken anregen. Obwohl wir beide den Roman von seiner Aufmachung her wenig attraktiv fanden, hat er uns zwei historische Figuren – Carl Friedrich Gauß und Alexander von Humboldt, nähergebracht, und das dann doch lockerer als über starre biographische Texte.
Aber auch einen etwas kontroverserer Kommentar fand ich unter dem Post:
„Also ich sehe das leider anders, die von dir kritisierten Werke legen den Grundstein für alle literarischen Dinge, auch die die du als schön empfindest. Deshalb sollte meiner Meinung nach jeder Schüler mit den Kollossen der Literatur, Gesellschaft und der Menschheit, die diese Werke zweifellos sind, auseinandersetzen.“
Dieser Kommentar stammt tatsächlich von einem Blogleser, der sich direkt auf den ersten Eintrag bezieht.
Ich persönlich denke, dass Literatur sehr wichtig ist und unbedingt gewertschätzt werden sollte. Lesen kann und soll Spaß machen! Trotzdem bringt es meiner Ansicht nach aber nichts, zwanghaft historisch bedeutende Werke den Schüler*innen aufzuzwingen, die dann vollkommen ohne Interesse und oft auch ohne Alltagsbezug gelesen werden. Viel besser fände ich da moderne Bücher, die Jugendliche ansprechen und sie, wie oben gesagt, zum Nachdenken anregen. Ein „Faust“ oder „Sandmann“ mögen viel Hintergrund mit sich bringen – interessant sind sie durch die historischen Stilmittel und ihre altertümlichen Ausdrücke jedoch nur für diejenigen, die sich aktiv dafür interessieren.
Und so kommen wir hier wieder zu einer Überzeugung, die ich schon länger habe: mehr projektbezogener Unterricht würde dafür sorgen, dass die Schüler*innen nach ihren Interessen das Wissen erhalten können, für das sie sich auch wirklich interessieren. Wer beispielsweise gerne liest, könnte das ausführlicher machen als die, die womöglich eher mathematisch veranlagt sind.
Natürlich ist ein Ziel von Schule auch, den Schüler*innen eine gewisse Basis an Grundwissen zu vermitteln. Dies muss auch weiter so gemacht werden. Aber dennoch müssen wir es endlich schaffen, dass man nicht mehr so viele Sachen lernt, die man sich sowieso aus Mangel an Interesse nicht behält. Und die literarischen „Kolosse“ oder „Klassiker“ gehören da für viele leider eindeutig dazu.


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