Sport UND Spaß statt BundesJugendSpiele!

Kaum ein schulisches Ereignis hat sich so lange gehalten wie die Bundesjugendspiele (BJS). Schon unsere Großeltern mussten sie über sich ergehen lassen. Trotzdem wird durch sie nicht geschafft, das ausdrücklich angestrebte Ziel zu erreichen – die Sportbegeisterung von Jugendlichen zu erhöhen. Vielmehr sind sie demotivierend und fördern bei den weniger leistungsstarken Schüler*innen die Abneigung gegen Sport. Dies muss sich ändern. Was wir brauchen, sind offene Sportfeste mit Teamgeist und gelingender Motivation.

Mehr Gemeinschaft wagen

Zu Anfang muss man feststellen, dass die Bundesjugendspiele jede Menge Druck bei Jugendlichen auslösen. Dabei sind gerade diejenigen davon betroffen, für die der Wettkampf gedacht ist: die Schüler*innen die Sportangebote tendenziell weniger oft erreichen und die dadurch kaum sportbegeistert sind. Die angebliche Begeisterung, die durch die BJS geschaffen werden soll, kann sich nicht etablieren, da es sich aktuell noch um einen Einzelwettkampf mit strikten Messwerten und Bepunktungen handelt. Ein Sportfest, in dem die sportlichen Kategorien offen gehalten sind, würde auch auf die weniger motivierten Jugendlichen eingehen und somit die Sportbegeisterung erhöhen. Ein Beispiel dafür ist die Grundschule im rheinland-pfälzischen Hermeskeil.

Sportfeste funktionieren besser

Ihr Sportlehrer Mike Theobald etablierte vor einigen Jahren ein offenes „Sportfest“-Modell. Das Ergebnis: nach anfänglicher Skepsis, gerade durch die Eltern, machte dieses sportliche Ereignis den Kindern viel mehr Spaß und auch die Leistungsschwächeren konnten erreicht und motiviert werden. Natürlich handelt es sich bei den Bundesjugendspielen um langjährig durchgeführte Ereignisse mit Tradition. Trotzdem muss man sagen, das auch schon damals ihr Ziel nicht erreicht wurde. Vielmehr wurde durch das Wettkampfmuster Mobbing gestärkt. Dies beweisen Tausende Eltern, die sich heute noch über diesen einen Tag beschweren, den sie jährlich durchleben mussten.

Nehmen wir alle mit!

Ein weiteres Argument für eine Abschaffung der Bundesjugendspiele ist, dass Teamgeist, was eine der wichtigsten Voraussetzungen für sehr viele Bewegungssportarten ist, und auch die Sportbegeisterung erhöht, auch nur bei Teamleistungen gefördert werden kann. Gerade dies wird bei den BJS verhindert, indem immer nur auf die individuellen Leistungen geschaut wird, und sich die Schüler*innen so permanent miteinander messen müssen. Ich selber habe den Schritt zu einem Sportfest in meiner 1. und 2. Klasse hin zu den klassischen Bundesjugendspielen ab der 3. Klasse als sehr negativ wahrgenommen. Standen in den ersten beiden Jahren noch Teamspiele auf dem Programm und ein gegenseitiges Anfeuern beim Absolvieren der Hindernisse und kleinen Ausdauerläufe, begann irgendwann dann das andauernde Warten, das mir persönlich den Spaß an sportliche Schulveranstaltungen per se abhanden kommen ließ.

Schule als Lernort für Teamspirit statt Konkurrenzkampf

Wenn wir am Schluss mehr auf die gesellschaftliche Ebene blicken, müssen wir in der Tat feststellen, dass das Leben, wie eben auch die BJS, sehr oft auf Wettkampf und Konkurrenz beruht. Gleichzeitig ist dies aber auch der Grund für Druck, Stress und im schlimmsten Fall psychische Krankheiten. Situationen, in denen man gemeinsam an seinen Zielen arbeiten kann, bereichern einen hingegen um wichtige soziale Fähigkeiten, ohne die der Mensch gar nicht auskommen könnte. In Anbetracht dessen, dass Schule ein Lernort ist, muss man also anerkennen, dass auch hier, gerade im sportlichen Bereich, soziale Kompetenzen vermittelt werden sollten. Somit ist das Unterstützen und gemeinsame Teilnehmen, an einem Wettbewerb oder freier ausgelegten schulischen Sportfesten, ein großer Teil davon. Ob es am Ende Urkunden gibt, für die besten Teams, die durchschnittlich besten Einzelsportler*innen oder auch Anerkennung in anderer Form ist dabei egal. Wichtig ist lediglich, dass alle, auch die sportlich weniger Leistungsstarken, die im Leben doch so wichtige Sportbegeisterung entwickeln und erleben können. Ohne Druck, sondern stattdessen mit lockeren Angeboten, die wahrgenommen werden müssen und fordern, aber eben auch durch das gemeinsame Erreichen der Ziele und ohne Konkurrenzdenken fördern.

Auf in die Zukunft!

Abschließend lässt sich sagen, dass die BJS ein Relikt einer Zeit sind, in der wir nicht mehr leben wollen und dürfen. Um in eine fortschrittliche Zukunft zu gehen, brauchen wir eine Reform der Bundesjugendspiele hin zu Sportfesten, um das Wir zu fördern und dabei niemanden außen vor zu lassen.  

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