Jakobs Kurzgeschichte zum Nachdenken!

Heute, an Nikolaus, startet eine etwas andere Kategorie meines Sententskalenders. Am Mittwoch, an dem man ganz in den Anstrengungen der Woche versunken ist, möchte ich ein wenig Ablenkung bieten, uns auf schöne Gedanken bringen, und auch mal über andere Themen schreiben als sonst. Heute soll es um eine Kurzgeschichte gehen, die mein Freund Jakob geschrieben hat. Ich freue mich, darüber mit ihm sprechen zu können.

Charlie

Klirr – So hatte es sich vor drei Jahren angefühlt. Wie eine Tasse, die aus der Hand    fällt und in tausend Stücke zerbricht.

Olivia war seitdem nicht mehr bei der Arbeit gewesen. Auch ihren Hund hatte sie vernachlässigt. Charlie lag wie ein kleines Bündel Elend auf dem Boden vor dem mittlerweile gefleckten Sofa. Als Markus verschwand, war sie eine edle Hündin gewesen. Markus war immer mit ihr auf Wettbewerbe gefahren. Auch Olivia war mehrmals dabei gewesen um Markus und Charlie anzufeuern und danach noch eine Runde spazieren zu gehen.

Als dann Fridolin vor ihrer Tür stand, war Olivia wieder beschäftigt. Auch wenn sie ihrer Mutter immer erzählte, sich an diese Zeit nicht mehr erinnern zu können, litt sie immer noch wegen des Drogenmissbrauchs.

Da war es wieder das Zucken in ihrer Schulter. Ein Schmerz, der sie in ihrem Zimmer einsperrte. Ihre Mutter wollte noch zum Abendessen vorbeikommen, doch Olivia hatte ihr abgesagt. Sie wollte lieber alleine sein, wollte wissen was Markus machte, wo er war und wie er es ihr hatte antun können. Damals als sie zusammenziehen wollten und sie nie wieder von ihm hörte. Was weiter passierte, wusste sie nicht.

Auch an diesem Abend ignorierte sie ihre Verpflichtungen und den Gestank ihrer Wohnung, die ihre Eltern nicht mehr finanzieren wollten und trauerte stattdessen dem nach, was sie hätte haben können, wäre er noch da. Später hielt sie es nicht mehr aus und begann zu trinken, wie sie es schon so viele Tage zuvor gemacht hatte. Heute war die Flasche leider nicht so gnädig wie die Tage zuvor. Als Olivia am nächsten Tag aufwachte, wusste sie nicht mehr was am Tag davor passiert war. Aber das war ihr egal. Alles war ihr egal. Den Sinn im Leben gab es für sie nicht mehr. Doch für Charlie stand sie auch an diesem Morgen wieder auf, um wenigstens ihm einen schönen Morgen an der frischen Luft zu ermöglichen.

Markus war nach einem langen Tag in der Bank am Trinken. Er war noch nicht darüber hinweg, dass Olivia ihn vor acht Jahren verließ.

***

„Charlie“ ist eine sehr offen gehaltene Kurzgeschichte. Ich persönlich habe auch nach mehrmaligem Lesen des Textes ein paar Fragen. Faszinierend finde ich die Wendungen, die stattfinden, und die genau gleiche Situation, in der sich die beiden Protagonist*innen Olivia und Markus befinden. Jakob wird uns dazu aber bestimmt noch mehr erzählen.

Lieber Jakob. Welche Intuition hattest du beim Schreiben dieser Kurzgeschichte? Wie kam es überhaupt dazu?

Jakob: Ich hasse meine Deutschlehrerin. Sie hat mich dazu gezwungen, eine Kurzgeschichte zu schreiben. Daraufhin habe ich mich gefragt, was denn die Emotionen sind, die Kurzgeschichten bei mir auslösen. Hass. Unmut. Und Langeweile. Anhand dieser Attribute habe ich dann meinen Text entwickelt.

Und diese Emotionen sollen die Lesenden auch fühlen?

Jakob: Ich würde nicht wollen, dass die Lesenden so fühlen. Mein Ziel generell war es aber auch nicht, einen fröhlichen oder emotional schönen Text zu schreiben. Vielmehr wollte ich einfach meinen Deutschauftrag erfüllen und zum kritischen Nachfragen anregen.

Dann mach ich das doch gleich mal: würdest du sagen, dass der Text in sich unlogisch ist?

Jakob: In sich hat der Text Lücken. Das liegt daran, dass es sich um eine Aneinanderreihung mehrerer Momentaufnahmen handelt, zwischen denen teilweise jahrelange Zeitsprünge liegen.

Wer ist eigentlich Fridolin? Kann er eine Stütze für Olivia sein?

Jakob: Fridolin ist vielmehr ein Abbild von Olivias Handlungen und Emotionen, als ein eigener Charakter. Er stellt den Tiefpunkt Olivias dar, und ist daher keine Hilfe.

Hast du denn die Hoffnung in Olivia, dass sich ihre Situation bessert? Kann sie vielleicht sogar wieder mit Markus in Kontakt kommen?

Jakob: Nein.

Sollen wir das Interview jetzt beenden?

Jakob: Ja.





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