#3FragenMIT- Claudius Grigat Evangelische Kirche

In dieser Rubrik geht es um Perspektiven verschiedenster Personen, die alle irgendetwas mit Bildung zu tun haben. Die ersten Gespräche habe ich auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse führen dürfen, und dabei mit Menschen gesprochen, die dort ganz unterschiedliche Stände betrieben haben. Herausgekommen sind inspirierende, interessante und überraschende Gespräche. Claudius Grigat spricht hier als Teil der evangelischen Kirche – äußert im Gespräch aber auch ganz individuelle Ansichten.

Hendrik: Wenn Sie jetzt mal spontan überlegen; welche Angebote hat die Evangelische Kirche für Kinder und Jugendliche?

Grigat: Oh, die Evangelische Kirche ist natürlich groß. Da gehören ja alle möglichen Bereiche dazu. Hilfswerke und diakonische Einrichtungen. Und da gibt es von Kindergärten, die in der Hand der Evangelischen Kirche sind, Schulen, evangelische Schulen bis hin zu anderen Bildungseinrichtungen, Universitäten, Hochschulen, Ausbildungsbetrieben, so genannten „Behindertenwerkstätten“ alles Mögliche. Das ist tatsächlich ein riesiges Feld.

Hendrik: Das zeigt – Kirche generell, und auch die Evangelische Kirche ist eine starke Institution in Deutschland. Damit einher geht natürlich auch der Evangelisch-Unterricht an Schulen. An deutschen Schulen ist es verpflichtend, entweder christlichen Unterricht, Ethik oder Philosophie zu haben. Finden Sie das gut, oder fänden Sie es besser, wenn nur diejenigen, die sich wirklich für das Christentum interessieren, diesen in einem Wahlpflichtfach  wahrnehmen würden?

Grigat: Ich kann da jetzt natürlich nicht für eine komplette Institution sprechen, sondern nur meine persönliche Meinung sagen. Ich bin ein Freund von nicht getrenntem Unterricht dieser Art. Ich finde, dass ein religiöser oder philosophischer Unterricht all diese Disziplinen umfassen sollte. Dass man darüber ins Gespräch kommt, was verschiedene Konfessionen und Religionen vertreten. Dass man vielleicht zukünftige Konflikte vermeidet, aber dass auch ein Bewusstsein entsteht, wie eben Religionen, Philosophien und ethische Denkschulen entstanden sind, was sie besagen und wie sie sich weiterentwickeln. Da wäre ich extrem stark für Dialog. Der sollte natürlich auch mit hoher Motivation einhergehen. (lacht). Wenn es freiwillig wäre, als Wahlpflichtunterricht, hätte ich da nichts dagegen. Vielleicht könnte es auch als Pflichtunterricht fruchtbar sein, aber dann muss es vom Curriculum her eben entsprechend gestaltet sein.

Hendrik: Als letzte Frage – denken Sie, dass Glaube und das Christentum aktuell gesellschaftlich weniger anerkannt ist als früher? Erleben Sie da einen Wandel?

Grigat: Ich glaube, da gibt es in vielen Familien einen regelrechten Traditionsabbruch. Viele Kirchen – hier in diesem Land und in Mitteleuropa – verlieren total an Bedeutung und an Mitgliedern. Aber ich glaube auch, dass das vielleicht gar nicht so schlimm ist, wie viele Leute das auf den ersten Blick finden, sondern, dass es auch eine Chance ist für eine Rückbesinnung auf das Wesentliche. Für das Finden von neuen Wegen und auch von neuen Formen, wie man die Religion in die Gesellschaft einbringen kann. Und dass es dabei jetzt ein bisschen Fantasie braucht.

Mir hat dieses kurze Gespräch eines gezeigt: was am meisten zählt, wenn man etwas verändern möchte, ist der Dialog. In den Dialog zu treten, auch und gerade mit der Kirche in Deutschland, kann uns zu neuen Lösungen führen, wie wir den Religionsunterricht in Deutschland reformieren können. Dass wir das müssen zeigt, dass aktuell in Wahrheit nur ein Bruchteil der Schüler*innen ernsthaftes Interesse an diesem Unterricht hat. Dass es trotzdem Religionsunterricht sein muss, schreibt uns wiederum das Grundgesetz vor:

Grundgesetz Artikel 7
(1) Das gesamte Schulwesen steht unter der Aufsicht des Staates.

(3) Der Religionsunterricht ist in den öffentlichen Schulen mit Ausnahme der bekenntnisfreien Schulen ordentliches Lehrfach. Unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechts wird der Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt. (…)

Quelle: kmk.de

Gestalten wir also diese einzige feste Vorgabe – die Existenz von Religionsunterricht – ganz neu und schaffen so vielleicht ein moderneres Bewusstsein über Religion!





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